Ziel des Workshops

Was sind komplexe Zahlen?
Einführung in das Rechnen mit komplexen Zahlen
Komplexe Zahlen sind wie Vektoren sind aber keine Vektoren
Warum es Wurzeln aus negativen Zahlen gibt
Exponentialfunktion liefert Kreise
Einfache Beschreibung von Schwingungen durch komplexe Zahlen
Wechselstromwiderstände lassen sich durch komplexe Zahlen zusammenfassen
Erzeugung von fraktalen Mustern durch einfach Gleichungen
....

Dienstag, 5. Mai 2020

Teil 7: Das Apfelmännchen II

und wie weit seid ihr??


wie, nicht weiter?

Ich hab das hier:

Im Inneren des Schwarzen liegen alle Zahlen für c, die Folgen mit einer Beschränkung unter 2 liefern. Die Farben und Tönungen markieren ab wieviel Rechenschritten klar ist, dass die Folge divergiert, also die Abstände über die 2 gehen.

Die folgenden Bilder  (von Wolfgang Beyer mit Ultra Fractal 3 angefertigt) zeigen einige vergrößerte Ausschnitte, wir zoomen rein:




Überall lauern Kopien des Apfelbrotmännchens...eine wahrlich fraktale Struktur!

Und das sind nur komplexe Zahlen, die der Rechenanweisung folgen: Quadriere und addiere c dazu...

Und hier ein allgemein zugängliches Zoom-Video:


In den nächsten Posts werden wir mehr über die Mandelbrotmenge erfahren, auch den faszinierenden Zusammenhang zu den Juliamengen herstellen.

Dann werde ich einen Ausblick auf noch umfassendere Zahlbereiche geben (Quaterionen) und zum Abschluss gibt es noch einen kleinen Exkurs zur Anwendung komplexer Zahlen bei Wechselstrom.

So in einer knappen Woche ist der Kurs fertig.

Teil 7: Das Apfelmännchen I

Fachlich spricht man von der Mandelbrotmenge nach Benoit Mandelbrot, der sie 1980 näher untersucht hat.

Wir beschäftigen  uns wieder mit unserer Gleichung z(n+1) = z(n)² + c mit komplexen Zahlen.

Zur Erinnerung: Eine Juliamenge Jc gehört zu einem bestimmten Wert von c und enthält die Startwerte, für die gerade noch eine Konvergenz der Folge von Zahlen z(n) vorliegt.

Jetzt nehmen wir einen festen Startwert, nämlich die reelle Zahl z(0) = 0. Wir arbeiten mit den Konstanten c, für die die Folge der Zahlen z(n) beschränkt bleibt, also z.B. |z(n)| < 2.

Ich hab mir das mal in ein Schema aufgeschrieben:

In einer zu c gehörenden Juliamenge werden also bestimmte Startwerte aufgetragen.
In der Mandelbrotmenge (sie gehört immer zum Startwert 0) werden bestimmte Konstanten der Folgen aufgetragen.
Über meinem Text stehen die Bedingungen zum Auftragen.

In den folgenden Rechnungen schreibe ich die ersten Folgenglieder der Folge z(n) hin:

Beispiel c = 0:

0+0 = 0,
 0+0 = 0,  usw.
c=0 liefert also eine beschränkte Folge, sie bleibt imemr auf dem Startwert hängen, der auf dem Urspung liegt.. Der Punkt c =0 gehört zur Mandelbrotmenge.

Beispiel c = -1:
0 - 1 = -1,
(-1)² + (-1) = 0
dann:  -1, 0, -1, 0...
c= -1 liefert zwei Endwerte, die abwechselnd angenommen werden und die nicht weiter als 2 vom Urspung entfernt liegen. Der Punkt c = -1 gehört zur Mandelbrotmenge. Man sagt, er gehört zu zwei Grenzzyklen.

Hinweis: c = -1 ist eine komplexe Zahl mit dem Realteil -1 und dem Imaginärteil 0.

Beispiel c = +1:
0 + 1 = 1
 1² + 1 = 2
 2² + 1 = 5
 5² + 1 = 26 ...
Diese Folge divergiert, die Zahlen sind schnell außerhalb der vorgegebenen Grenze, d.h.
c = +1 gehört nicht zur Mandelbrotmenge.

Beispiel c = -2:
0 + (-2) = -2
 (-2)² -2 = 2
 2² -2 = 2  usw.
Die Folge ist sofort beim Wert 2, bleibt da, die Werte sind aber nicht kleiner als 2, d.h. c = -2 gehört gerade nicht mehr zur Mandelbrotmenge

Beispiel c = -3:
0 -3 = -3
(-3)² -3 = 6
36 -3 = 33 ...
Die Folge divergiert, ist sofort weiter als 2 vom Urspung weg, c = -3 gehört nicht zur Mandelbrotmenge

Beispiel c = -i:
0 -i = -i.
(-i)² -i = -1-i
(-1-i)² -i = 1 +2i + i² -i = i
i² -i = -1-i, usw...
Es entstehen abwechseln i und -1-i, beide Punkte sind dichter als 2 am Ursprung, c = -i liefert also einen Punkt auf der Mandelbrotmenge. Es ist ebenfalls ein zweier Grenzzyklus.

Beispiel c = i:
0 + i = i
i² + i = -1 + i
(-1+i)² + i = i usw.
Auch hier entsteht ein zweier Grenzzyklus, beide Zahlen sind näher als 2 am Ursprung, c = i gehört auch zur Mandelbrotmenge..

Dann haben wir ja schon ein paar Punkte der Mandelbrotmenge gefunden.
Versucht noch mehr zu finden...
Wie ist es mit c = -0.23 + 0,8*i?

Ich bereite schon mal die Zeichnung vor...
und wenn ihr eure erste Mandelbrotmenge gezeichnet habt, kommt der nächste Post....





Sonntag, 3. Mai 2020

Teil 7: Julia Mengen II

Wir wollen nun lernen, was die bunten graphischen Darstellungen einer Julia Menge bedeuten.

Fall c=0:
Fangen wir mit dem Fall c = 0 an, wir haben also z(n+1) = z(n)².
Es gibt genau drei Möglichkeiten, wie sich die Folge von Werten verhält:
Entweder alle Werte (bzw. die Beträge der komplexen Zahlen)  streben zu 0, ins Unendliche oder der Betrag bleibt |z| =1, d.h. sie bleiben auf dem Einheitskreis.

Streben die Werte gegen 0, sagt man: Die Folge aus Zahlen konvergiert.

Streben die Werte gegen Unendlich, sagt man, dass die Zahlenfolge divergiert.

Liegt eine komplexe Zahl auf dem Einheitskreis, dann ändert sich durch Quadrieren nie ihr Abstand zur 0, lediglich der Winkel wird verdoppelt, d.h. mit jedem Schritt wandert die Zahl auf dem Einheitskreis herum, bleibt aber dort.

Es gibt also zwei Fälle:
Alle Startwerte, die zu einer konvergierenden Zahlenfolge führen, liegen im Einzugsbereich E, alle, die zu einer divergierenden Zahlenfolge führen liegen im Divergenzbereich D.
Die Julia-Menge ist genau die Grenze, sie enthält also alle Startwerte, die gerade noch zu konvergierenden Folgen führen. Sie ist der Rand von der Menge E.
mathe ch

Für unseren Fall ist also klar: Für c = 0 ist die Juliamenge die Kreislinie des Einheitskreises.

Ganz oft gibt es keine mathematischen Gesetzmäßigkeiten, aus denen man das Verhalten der Zahlenfolgen bestimmen kann. Dann legt man eine Grenze fest. Sobald die Zahlenfolge diesen Wert überschreitet, gilt der Startwert als zu D gehörend.
Jetzt kann man noch schauen, wieviele Rechenschritte (Iterationen) man machen musste (wie groß also das n ist, ab der die Grenze überschritten wird) und dann kann man je nach Größe von n dem Startpunkt eine andere Farbe geben.
So entstehen die sich umfassenden farbigen Bereiche...nach Außen überschreitet die Folge immer schneller die vorgegebene Grenze. der innerste dunkle Teil ist dann die Juliamenge.

Die Julia-Menge selbst enthält immer überabzählbar viele Punkte, sie ist also gleichmächtig zur Menge der reellen zahlen. Kann man bei diesem fragilen Gebilde kaum glauben...
Sie sehen fragil aus, sind aber sog. dichte Mengen.
Das erkläre ich am besten an einem einfaschen beispiel: Die Menge der Brüche liegt dicht in der Menge der reellen zahlen. Ihc kann jede irrationale Zahl beliebig genau durch einen Bruch (rationale Zahl) annähern.
Wenn jemand von euch  π  auf 500 Stellen genau kennt, dann weiß er oder sie  wovon ich rede...

π = 3.1415926535 8979323846 2643383279 5028841971 6939937510 5820974944 5923078164 0628620899 8628034825 3421170679 8214808651 3282306647 0938446095 5058223172 5359408128 4811174502 8410270193 8521105559 6446229489 5493038196 4428810975 6659334461 2847564823 3786783165 2712019091 4564856692 3460348610 4543266482 1339360726 0249141273 7245870066 0631558817 4881520920 9628292540 9171536436 7892590360 0113305305 4882046652 1384146951 9415116094 3305727036 5759591953 0921861173 8193261179 3105118548 0744623799 6274956735 1885752724 8912279381 8301194912 …

Eine Anmerkung sollte ich machen: Wir arbeiten mit komplexen Zahlen, da haben wir gesehen, dass man keine Anordnung machen kann, also nicht sagen kann, wann eine komplexe Zahl größer als eine andere ist. Hier meint man immer den Betrag, also den Abstand zur 0 oder den Betrag der Differenz zweier komplexer Zahlen.

 Fall c= i
 Wir betrachten also jetzt die Folge z(n+1) = z(n)² + i und versuchen wieder herauszufinden ab welchem n die Zahlen (bzw. ihr Betrag!)  eine gegebene Grenze überschreiten (meistens 2).

Was herauskommt habe ich in einem kleinen Film zusammengefasst, der einzelne Iterationsschritte zeigt und am Ende die Julia-Menge und ihre farbig markierte Umgebung.
Solche Simulationen kann man mit dem Programm fractale Extreme selbst machen, für drei Wochen gibt es eine Testversion, danach muss man etwa 10.-€ zahlen.

(Fall ihr den falschen Film, einen früheren, seht: Browser beenden, bereinigen und neu starten...)

Fall  c = -0732 + i*0,241
Das wird wohl kaum jemand per Hand gerechnet haben...
Hier die Juliamenge dazu . Ich bin in Bild 2 bis 4  imemr weiter in das jeweilige Bild hineingezoomt und wir erkennen, was fraktale Struktur bedeutet. Immer wieder taucht das gleiche Motiv auf.

c = -0732 + i*0,241


Weitere Beispiele:

          oben links: c = i,                                                       oben rechts: c = -0,4 + i
          unten links: c = -0,7 + 0,3 i,                                     unten rechts: c = -1,77 + 0,01 i

Wer jetzt schon staunt, sollte warten... im nächsten Post machen wir mit der Gleichung f(z) = z² + c noch ganz andere Dinge...

Teil 7: Julia Mengen I





Was hat es mit solchen schönen Figuren auf sich?

Erst einmal: Es sind Fraktale, immer wieder taucht beim Hineinzoomen das gleiche Motiv auf.

Zweitens: Die Bilder per Hand berechnen erfordert viel, viel Zeit...ist aber eigentlich recht leicht...

Fangen wir an:

Was wir im Film sehen, ist eine Julia Menge.
Julia Mengen sind benannt nach Gaston Julia, der sie 1919 entdeckt hat. Damals gab es keine Taschenrechner! Der hat das alles wirklich per Hand ausgerechnet.
Erst in den  1970-er Jahren, mit dem Aufkommen schnellerer Computer konnte man die fraktale Schönheit wirklich zeigen und genießen.

Julia-Mengen sind Darstellungen von Funktionen, die iterativ berechnet werden. Mehr im nächsten Post.

Wir machen das für ein ganz einfaches Beispiel:

Wir nehmen die komplexe Funktion f(z) = z² + c und setzen den errechneten Wert f(z) immer wieder für z ein, lassen das c fest. Ihr kennt das...das ist die Rückkopplung, die zu chaotischen Strukturen führt.

Das kann man natürlich auch als Folge hinschreiben:

z(n+1) = z(n)²+ c, n ist dann die sogenannte Iterationsnummer.

Man fängt mit n = 0 an und legt den Startwert z(0) fest. Und dann geht es los...

Mein Tipp: macht das mal...

Ich schlage vor:
Erster Fall:
c = 0 mit den Startwerten z(0) = 0, z(0)=  1 und z(0) = i

Wenn ihr das habt, dann wählt mal ein anderes c:

Zweiter Fall:
c = 1 oder c = i

Wie man mit komplexen Zahlen rechnet, haben wir gelernt...

Also los...

Zeichnet immer für jeden Schritt die Punkte in eine Gaußsche Ebene, also in unser Koordinatensystem für komplexe Zahlen. Und macht möglichst viele Schritte...


Wer Langeweile hat, sollte mal verschiedene Startwerte für c = -0,732 + i*0,241 ausprobieren....

Lösungen und mehr Infos  gibt es im nächsten Post

Freitag, 1. Mai 2020

Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 6: Was ist eigentlich Chaos?

Der Meterologe Lorenz hat 1963 ein Modell zur Wettervorhersage entwickelt, dass mit drei gekoppelten Differnzialgleichungen arbeitet. Wir wissen heute, das ist ein nicht lineares System, das chaotisches Verhalten zeigt.
Er gab Wetterdaten ein und überlies es einem Ciomputer (ja, die gab es damals auch schon), daraus ein Modell zu rechnen.
Er wollte das wiederholen, rundete aber die Daten leicht (man sagt er hatte keine Lust wieder alle Stellen hinter dem Komma in Lochkarten einzugeben...) und erhielt einen vollkommen anderen Wetterzustand.

Das ist die ein chaotisches Ssystem charakterisierende Anfangssensibilität:
Die Entwicklung des Systems hängt extrem empfindlich vom Startwert ab, schon geringste Änderungen können zu großen Abweichungen führen. Abweichungen wachsen exponentiell. Da man selten Anfangsbedingungen präzise kennt, lässt sich also die weitere Entwicklung des Systems nicht vorhersagen.

Das ist ein weiteres Charakteristikum eines chaotischen Systems: Nichtvorhersagbarkeit.

Trotzdem aber laufen alle Prozesse streng determiniert nach Gesetzen ab.

Für das Feigenbaumdiagramm hatten wir genaue Rechenvorschriften. Ändert man aber den Startwert etwas, findet eine komplett andere Entwicklung statt.

Chaotische Systeme sind nicht vorhersagbar, aber determiniert und haben nichts mit zufälligen Entwicklungen zu tun.

"Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien beeinflusst das Wetter in Europa" ist zu einem gängigen Sprichwort geworden.


Noch einige weiterführende Anmerkungen:

Die Menge aller möglichen stabilen Endzustände eines Systems nennt man Attraktor. Chaotische
Systeme entwickeln sich häufig auf einen solchen Attraktorzustand hin. Dabei aber bleiben die
chaotischen Eigenschaften erhalten: Obwohl nur eine begrenzte Anzahl von Endzuständen im
Attraktor liegen, laufen die Entwicklungen exponentiell auseinander. Der Attraktor zieht also die
Entwicklungen an und schleudert sie dann in seinem begrenzten Inneren exponentiell auseinander. Das geht nur, wenn der Attraktor fraktale Strukturen hat, eben seltsam ist. Deswegen spricht man vom seltsamen Attraktor.

Fraktale sind extrem komplizierte geometrische Gebilde, die aber durch einfache Regeln (und
Rückkopplungen) erzeugt werden. Sie sind wieder in sich selbst zerlegbar, sie sind sich also selbstähnlich, d.h. in jedem Teil von ihnen steckt ein Bild  des Ganzen (ein Farnzweig sieht entsprechend vergrößert wie ein Farn aus). Fraktale haben gebrochenzahlige Dimensionen, so hat z.B. Kleinfeld 1990 entdeckt, das neuronale Aktivitäten im menschlichen Gehirn fraktale Muster bilden, die die Dimension 1,7 +/- 0,1 besitzen, also fast flächenförmig sind, und deutlich mehr als linear.
Nicht nur Farne, sondern auch Blumenkohl und Broccoli (Hintergrundbild) zeigen fraktale Strukturen.

Eine bekannte fraktale Struktur ist das Sierpinski-Dreieck, das Walter Sierpinski 1915 erfunden hat. Man konsturiert es, in dem man ein Dreieck zeichnet, neue Dreiecke durch Verbinden der Mittelpunkte des Ursprungsdreiecks konstruiert und dann das mittlere der Teildreiecke weglässt. Mit jedem der verbliebenen Dreiecke uiederholt man das Verfahren.
Die Dimension dieses Gebildes ist 1,585, es ist also weder eine Linie noch eine durchgehende Fläche.






Einige von euch kennen das Pascalsche Dreieck (Binomialkoeffizienten), färbt man da die geraden Zahlen weiß, so entsteht auch die Struktur eines Sierpinskidreiecks.

 Ein schönes Beispiel für den Übergang in Chaos ist ein tropfender Wasserhahn. Das kann man zu Hause leicht selbst ausprobieren:

Bei kleinem Wasserdruck kommen die Tropfen regelmäßig. Erhöht man den Wasserdruck
(und damit die Ausströmgeschwindigkeit, das ist der Parameter a, verdoppelt sich immer
wieder die Tropffrequenz bis es zu einem chaotischen Tropfen kommt, das dann in eine
Strömung übergeht.


Da das kein Workshop über Chaos ist, wollen wir uns jetzt Systemen zuwenden, die mit komplexen Zahlen arbeiten. Wir werdne auch so etwas wie ein Feigenbaudiagramm kennenlernen, aber mit viel abenteuerlicheren Strukturen mit fraktalen Eigenschaften, das Apfelbrotmännchen oder auch Mandelbrotmenge und die Juliamengen.

Mittwoch, 29. April 2020

Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 5: Das Chaos im Feigenbaumdiagramm

In den letzten Posts ist deutlich geworden, dass die Entwicklung einer Zahlenreihe (bisher war es der prozentuale Anteil der Kaninchenpaare an der maximal möglichen Zahl, aber eigentlich haben wir nur Zahlenfolgen zwischen 0 und 1 generiert...) sich komplett anders gestaltet, wenn man einen quadratischen Term hinzufügt:


Je nach a strebt die Folge der Zahlen x gegen eine feste Zahl (nennt man das auch einen stabilen Punkt oder Attraktor), gegen abwechselnd 2 oder 4 oder 8...Zahlen oder es lässt sich überhaupt kein Endwert ausmachen.
Im letzten Fall hängt die Entwicklung extrem vom Startwert ab.

Solche nichtlinearen Terme erzeugen immer unter bestimmten Umständen chaotisches Verhalten.
Im nächsten Post sage ich dazu noch etwas mehr.

Die Physik, die man in der Schule und größtenteils auch im Studium lernt, ist alles lineare Physik.

Die Welt aber ist nichtlinear, chaotisch! Lineares Beschreiben kann immer nur eine Annäherung an das echte Verhalten der Welt sein.

Das ist einigen Pionieren wie Feigenbaum und Mandelbrot schon vor Jahrzehnten klar gewesen. Aber erst in diesem Jahrtausend hat es sich langsam durchgesetzt.
Als ich erstmalig mich um die Jahrhundertwende mit chaotischen Systemen beschäftigt habe, gab es noch viele Veröffentlichungen und Bücher, die zeigten, dass das seltsame Verhalten chaotischer Systeme dadurch entsteht, dass die Computer nicht genau genug rechnen könnten.

Wir wissen heute, dass das nicht der Fall ist. Die Welt als solches ist ein chaotisches Ssystem

Warum kommt sie uns so geordnet vor?

Weil Chaos und Ordnung keine Gegensätze sind, sondern innerhalb chaotischen Verhaltens auch immer Ordnungssturkturen entstehen..
Das sieht man wunderbar am Feigenbaumdiagramm: Ganz plötzlich endet das wirre Verhalten der Endpunkt und es gibt Bereiche, in denen nur ein oder zwei Endzustände entstehen. Ordung herrscht vor. Ändert man die Zahl a weiter, stellt sich sofort wieder Chaos ein.

So ist die Welt: Aus Chaos wird Ordnung und Ordnung wechselt ins Chaos.

Im folgenden Video sieht man, wie sich bei einer strömenden Flüssigkeit aus chaotisch ablaufenden Mustern plötzlich geordnete Strukturen bilden.



Und den Wechsel von Chaos und Ordnung kann man auch beim Kochen beobachten..., das mit der Evolution und den Fröschen habe ich nicht so ganz verstanden ...


 Übrigens:
Wer mir bis zum 1.7.2020 einen ähnlichen Film (mit Handy) zusendet (denke an Griesbrei etc...nicht an weitere Tiere...) erhält zwei Essensgutscheine von Betty Baguetti.

Was ist aber nun ein chaotisches System?

Das erkläre ich im nächsten Post, bevor wir uns chaotische komplexe Zahlsysteme ansehen.



Dienstag, 28. April 2020

Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 4: Das Feigenbaumdiagramm

Mitchell Feigenbaum (1944 -2019) war ein amerikanischer Physiker, der Pionierarbeit im Bereich Chaos und Fraktale geleistet hat.

In den letzten Posts habt ihr gesehen, und sicher das ein oder andere mal auch  selbst gerechnet, wie man die Folgen von Zahlen x bestimmt, die wir als prozentualen Anteil der Kaninchenpaare an der maximal möglichen Bevölkerung angesehen haben.

Wir haben verschiedene Vermehrungsraten ausprobiert (unsere a Werte) und dabei zeichnet sich die folgende Regel ab (schaut dazu immer mal in dne letzten Post):

a zwischen 0 und 1: 
Die Population stirbt aus. Nach wenigen Jahren ist kein Kaninchen mehr da.

a zwischen 1 und 2: 
Die Population stabilisiert sich zu einer festen Prozentzahl (Grenzwert), die von a                             abhängt:
                                 a - 1/a,

d.h, für a =1 stirbt die Population noch aus, der Grenzwert ist 1 - 1/a = 0.
Aber schon für eine leicht erhöhte Vermehrungsrate von a = 1,1 entsteht der Grenzwert
1,1 - 1/1,1 = 0,191,
d.h. die Population stabilisiert sich auf einen Endwert, der bei 19,1 % der maximal möglichen Populationsgröße liegt.

a zwischen 2 und 3:
Der Endzustand wird abwechselnd von größeren und von kleineren Werten angepeilt, aber erst nach sehr sehr vielen Jahren erreicht.

a zwischen 3 und 3,45:
Nun gibt es zwei mögliche Endzustände, zwischen denen die Population hin- und herwechselt. Dieses Aufteilen sieht wie eine Gabel aus, man nennt das Bifurkation, manchmal irreführend Periodenverdopplung.

a zwischen 3,45 und 3,54: 
Vier mögliche Endzustände wechseln sich ab

Und das geht mit einer immer schnelleren Folge von Verdopplungen weiter, aber:

a größer als 3,57:
Es gibt keine Regelmäßigkeit mehr, die Population verhält sich chaotisch.
Im nächsten Post werden wir klären, was das genau bedeutet.

Schaut nochmal die Bilder vom letzten Post an.
Wenn ich bei diesem chaotischen Fall die Startzahl nur etwas ändere, verläuft die Entwicklung nach wenigen Jahren komplett anders.
Das nennt man die Anfangssensitivität des Chaos. Darauf gehen wir bald ein.

Wir haben also gesehen, für viele a gibt es stabile Endzustände.
Ab a = 3,57 muss man einfach irgendwann die Berechnung abbrechen und den letzten Wert als "End"zustand nehmen.

Wenn man nun alle diese Endzustände gegen das a aufträgt, dann erhält man das weltberühmte Feigenbaumdiagramm. Es ist hier ab a = 2,6 dargestellt.

Das Diagramm hat auch fraktale Strukturen, d.h. es ist aus sich selbst zusammengesetzt. Wenn man hineinzoomt, findet man wieder ein solches Bild:

Wer mit Feigenbaumdiagrammen spielen möchte und auch hineinzoomen möchte, kann das mit der Simualation von Prof. Matzdorf der Uni Kassel sehr gut machen:

Feigenbaumdiagramm Simulation

Mehr im nächsten Post



Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 3: Material für das Feigenbaumdiagramm


Wir arbeiten mit der folgenden Gleichung:

Wir wollen erst einmal die Vermehrungsrate, das a variieren:
a uist das Verhältnis aus der neuen Anzahl der Kaninchenpaare zur alten Anzahl. a =2 beduetet z.B., das jedes Kaninchenpaar zwei weitere erzeugt.

Alle Berechnungen fangen mit x1 = 0,29 an, d.h. 29% der zur Verfügung stehenden Fläche für Kaninchen sind durch Kaninchenpaare belegt.
Die Kurven (erzeugt mit GeoGebra) geben die Entwicklung der Kaninchenpaare für die ersten 30 Jahre an (n ist die Jahresnummer).

a= 0,44

Die Kaninchenpopulation stirbt schon nach wenigen Jahren aus.

a = 1,0
Früher oder später wird auch diese Population aussterben.

a = 1,5
Recht schnell stellt sich ein Gleichgewicht ein zwischen Neuproduktion vion Kaninchen und Beschränkung des Lebensraumes. Die Population ist stabil.

a = 2,94

Auch hier entsteht ein Gleichgewicht, das aber periodisch nach oben und nach unten abweicht. Etwas zuviel Kaninchen in einem jahr behidnern die Ausbreitung im folgendne Jahr, dadurch fallen Einschränkungne weg und die verbliebenen Paare können den Nachwuchs besser durchbringen. Die Abweichungen werden im Laufe der Zeit immer kleiner.

a= 3,42
Am Anfang sieht es so aus, als gäbe es eine Gleichgewichtspopulation. Dann zeigt sich aber sehr schnell, dass es zwei mögliche Zustände gibt: eine Population mit mehr und eine Population mit weniger Kaninchen. Beide Zustände wechseln sich ab. Das nennt man eine Periodenverdopplung, auch Bifurkation.

a= 3,54
Nun haben sich vier mögliche Populationsgrößen eingestellt, die sich ebenfalls ständig abwechseln.

a = 3,76 (Startwert 0,29)

Man wird hier keinerlei Regelmäßigkeit finden,,,die Anzahl der Kaninchen entwickelt sich chaotisch.
Fängt man statt mit x1 = 0, 29 mit einem nur geringfügig anderen Startwert an (hier x1 = 0,3), so entsteht nach wenigen Jahren eine vollkommen andere Entwicklung:

a = 3,76 (Startwert 0,3)

a = 4,0

Wir sind weiterhin im Chaos.
Ist die Vermehrungsrate über 4,0, so steigt der Wert für xn sehr schnell über 1 an, d.h. die Kaninchenpopulation explodiert.
Beispiel: a =5, x1 = 0,29 ergibt nach 4 Jahren eine Überbelegung von 3625 %...

Im nächsten Post fassen wir zusammen und stellen über die Endzustände der Entwicklung das Feigenbaum-Diagramm zusammen.
Daran erklären wir, was Chaos bedeutet und was ein fraktales Muster ist.

Und dann machen wir das mit komplexen Zahlen...

Sonntag, 26. April 2020

Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 2: Logistische Gleichung

Nun wollen wir unser Rechenverfahren leicht abändern.
Zuerst wollen wir jetzt die Werte für xn als prozentuale Anteile auffassen, d.h. x1 = 0,01 bedeutet, dass 1% des zur Verfügung stehenden Raumes für die Kaninchen belegt ist (durch Kanninchen natürlich). dadurch geben wir keine Anzahlen mehr an, sondern  nur noch Prozente.
Ein Zusatzfaktor (1-xn) begrenzt das Wachstum. Kommt xn an die 1, also an 100% ran,  so wird der Begrenzungsfaktor 1-xn kleiner und die nächste Populationsprozentzahl steigt nicht mehr so stark an.
Vereinfacht: Sind zuviel Kaninchen da, begrenzt sich die Population wegen Platz- oder Nahrungsmangel von allein. Unsere Gleichung lautet jetzt:

x(n+1) = a*xn * (1-xn)  = a*xn - a*(xn)².

Ich schreib das auch nochmal in gewohnter Weise auf:
Ich rechne mal ein paar Beispiele durch.
Wir haben a = 2 und x1 = 0,01:

x(n+1)  a*xn    a*xn * (1-xn)
x2         0,02      0,0198
x3         0,04      0,0388
x4         0,08      0,0746
x5         0, 6       0,0138
x6         1,2        0,238

Rechnet mal nach und zeichnet euch das mal auf...auf die x-Achse die Nummer (die Jahreszahl) und auf der y-Achse der Wert für x(n+1).

Und jetzt müsst ihr spielen...
Nehmt mal verschiedene Anfangswerte x1, variiert die Vermehrungszahl a (a =0,2 oder  a=1 oder  a=3 oder  a=3,4 oder a=5....).

Versucht mal Regelmäßigkeiten zu erkennen.

Alles seltsame, das passiert, liegt daran, dass wir jetzt eine nichtlineare Gleichung haben (es steht ein Quadrat oben n der Gleichung).

Die Gleichung heißt auch Verhulst-Gleichung, nach ihrem Entdecker 1845, oder logistische Gleichung.

Und wenn wir statt reellen Zahlen in der nächsten Runde das mit komplexen Zahlen machen, wird es noch interessanter.

wird fortgesetzt...


Lösung

Für die ersten Jahre ergeben sich die folgendne Werte:

n    xn
1     10
2     20
3     40
4     80 usw.
Der Graph sieht wie folgt aus:
Und wie rechnet man die jahre aus?

Zuerst braucht man die Fläche von Australien in m², das sind 7600 000 000 000 m². Das isz usner Wert xn. Unser Wert für x1 ist 1 m².
Damit können wir nun über den Logarithmus den zugehöriogen Wert für n ausrechnen:

Im nächsten Post verhindern wir das...und dann machen wir das ganze mit komplexen Zahlen und dann passieren ganz andere Dinge...

Fehlerkorrektur: Beim ersten Durchrechnen hatte ich 40,5 Jahre raus...heute morgen nicht...habe dne Fehler nicht gefunden, aber ein aufmerksamer Leser: Ich habe vergessen, dass x1 = 10 ist. Wir haben ja mit 10 Paaren angefangen...
wenn man das ein setzt, erhält man die auch zuerst angegebenen 40,5 Jahre.

Samstag, 25. April 2020

Teil 6: Vom Komplexen ins Chaos, Abschnitt 1: Von Räubern und Beute

Populationsdynamik

Im ersten Weltkrieg wurde die Fischerei stark eingeschränkt, man beobachtete eine starke Zunahme der Haie.
Seit dieser Zeit beschreibt man die Beziehung zwischen Räubern (Hai) und Beute (Fisch) durch mathematische Gleichungen.
Damit wollen wir uns zuerst beschäftigen, einmal, weil ihr sog. rekursive Formeln kennenlernt und zum anderen, weil wir viele Eigenschaften chaotischer Systeme erkennen können.

Kaninchen in Australien

Manchmal geraten Dinge aus der Kontrolle...ob das die Population der Kaninchen ist, die ohne natürliche Feinde sich nach der   Besiedlung Australiens stark vermehren konnte, der Corona-Virus oder Grippewelle.

Nehmen wir an, im ersten Jahr bringen die Siedler x1 Kaninchenpaare nach Australien. Die vermehren sich innerhalb eines Jahres mit einer  Rate von a.
Dann sind es im zweiten Jahr x2 = a*x1 Kaninchenpaare. Wenn die Vermehrungsrate bleibt, dann kommen wir im dritten Jahr auf x3 = a*x2 = a²*x1 Paare.

Es ist also xn = a^(n-1)* x1 oder aber x(n+1) = a*xn

Ich schreib das mal handschriftlich aus, dann wird die Struktur der Formeln klarer.

Ich denke, es ist klar, wir haben einen Fall von exponentiellem Wachstum vor uns.
Ihr solltet das aber mal selbst berechnen und in einem Graphen zeichnen:

Wir fangen mit 10 Exemplaren an: x1 = 10 und haben eine Vermehrungsrate von 2.
Wie wächst die Population der Kaninchenpaare an?

Und  für Fortgeschrittene: Wenn jedes Kaninchenpaar 1 m² Fläche benötigt, wann ist Australien mit Kaninchen vollständig belegt? Antwort: 40,5 Jahre....(ursprünglicher richtiger Wert




Freitag, 24. April 2020

Am Samstag geht es weiter...

spätestens, vielleicht sogar Freitagabend...-bin grad sehr mit Vorbereitungen für dne Neustart beshcäftigt.
Plane als nächstes Itearationen und Fraktale zu posten...

Mittwoch, 22. April 2020

Lösung: Formeln für Sinus und Cosinus

Hier nun die Lösung der letzten Zusatzaufgabe.

Dazu muss man die Darstellung von z + z# und z-z#, also die Summe bzw. Differenz  aus einer komplexen Zahl und ihrem Spiegelbild (komplex konjugierte Zahl) bilden.
Wir haben das hier schon einmal besprochen:

Summe und Differenz

 Bitte beachten: Handschriftlich bezeichne ich z# mit einem Stern oben am z, so wie es üblich ist.


Dienstag, 21. April 2020

Lösung: irrational und imaginär zusammen wird natürlich

Es ist schon irre, kombiniert man eine Zahl (e) , die man nicht hinschreiben kann (weil sie unendliche viele Stellen hat), mit einer Zahl, die rein imaginär in unserer Einbildung existiert (i), so entsteht eine 1 (bzw. -1)!

Hier die Lösung:

Und noch eine weitere Aufgabe:

y ist natürlich ein Winkel im Bogenmaß.

Montag, 20. April 2020

Teil 5: Die komplexe e-Funktion, Abschnitt 2: das i im Exponenten macht den Kreis...

Die komplexe e-Funktion f(z) = exp(z)

Hier ist wie üblich z = x + iy eine komplexe Zahl.

Wie rechnet man denn exp(z) aus?

Zur Erinnerung exp(x) steht für eˣ.

In der Tat gibt es keine direkte Rechenanweisung für das e-hoch bei einer komplexen Zahl.
Aber wir haben ja gesehen, dass man die e-Funktion als Summe normaler Potenzen schreiben kann und jede Potenz ist eine Multiplikation...und deshalb kann man genau darüber festlegen, wie man exp(z) für eine komplexe Zahl ausrechnet: über die Summe aus Potenzen von z!

Das was für eine reelle Zahl x gilt, gilt genau so für eine komplexe Zahl z!

 Ich muss nur das x durch ein z ersetzen...
Dann habe ich f(z) = exp(z) definiert.

Im letzten Post haben wir gesehen, was exp(x) bedeutet: exponentielles Wachstum...

Ihr werdet staunen, wenn ihr jetzt seht, was exp(z) bedeutet: Einfach nur einmal im Kreis herum, immer wieder...

Kreise haben was mit sinus und cosinus zu tun...
also schreiben wir noch einmal die Summen für sin, cos und exp(x) hin...

Hier habe ich die Fakultäten ausgerechnet (3! = 1*2*3, zur Erinnerung):


Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Summen für sin und cos in der für exp(x) drinstecken:
Bei sin kommen nur ungerade Potenzen vor, bei cos nur gerade und bei exp(x) alle...
Aber die Vorzeichen passen nicht!

Ersetzen wir jetzt die reelle Hochzahl x bei exp(x) durch eine rein imaginäre Zahl i*y.

Wenn wir uns daran erinnern, dass i² = -1 ist und somit i³= -i ist etc, dann sind wir mit ein bisschen Umformerei schnell am Ziel:



exp(iy) = cos y +i*sin y   (Eulersche Formel)

Das ist ein Kreis um den Ursprung mit Radius 1! Dabei kann ich y beliebig groß machen, ich komme nicht von diesem Kreis runter...immer im Kreis...

Könnt ihr euch vorstellen, was exp(-iy) bedeutet? Nicht exponentieller Abfall, sondern????

 Übrigens, das was wir hier gerade gemacht haben, hat Leonard Euler (1707-1787) herausgefunden, das ist schon 270 Jahre bekannt...

Und nun können wir auch ganz allgemein die e-Funktion für eine komplexe Zahl z = x + i*y hinschreiben:
 
Das ist ein Kreis mit dem Radius r = |z|.

Ist schon irre, was ein einfaches i im Exponenten aus einem exponentielen Anstieg macht: einen  immer währenden Kreisverkehr...

Das Bild der Funktion f(z) = exp(z) ist also ein Kreis und in diesem Kreis stecken für den Realanteil von z (das x) die cos-Funktion und für den Imaginäranteil von z (dem y) die sin-Funktion...

Sinus und Cosinus zusammengefasst in einer komplexen Funktion..

Manche erahnen jetzt vielleicht schon, warum Physiker/innen und Elektrotechniker/innen die komplexen Zahlen mögen...


dsprelated

Aufgabe: 

Zeige, dass wenn ich die beiden irrationalen Zahlen e und π mit der imaginären Zahl i geschickt kombiniere, entsteht was ganz Einfaches, nämlich - 1 oder +1...

Übrigens, wer sich die ganze Herleitung ausdrucken will:



Sonntag, 19. April 2020

Ergänzung

Für einige sind vielleicht solche Summenformeln ungewohnt, deshalb führe ich hier mal Rechnungen vor:
Nehmen wir 3,14, das ist ungefähr Pi π, d.h. wir wissen, was bei Sinus und Cosinus rauskommen muss:
sin π = sin 180° = 0
cos π = cos 180° = -1

Nun rechnen wir mit den ersten Summanden  unserer Formeln:

sin x = x/1 - x³/3! + ...
          = 3,14 - 30,96/6 + 305,2/120 = 0,52
Das liegt noch nicht sonderlich dicht an 0, aber der nächste Summand ergibt - 0,6 und schon sind wir bei 0,08...

cos x = 1-x²/2 + ...
         = 1 -4,93 + 4,05
         = 0,12 passt auch noch nicht sehr gut...
der nächste Summand liefert - 1,33 und wir sind bei - 1,21

Man sieht, ein Taschenrechner muss da wesentlich mehr Summenden zusammentragen...

Und zum Schluß die e-Funktion:
Wir setzen x = 1, dann muss e = 2,7 herauskommen...

  e = 1 + 1+1/2+ 1/6 + 1/24 = 2,71...da haben wir schon mit 5 Summanden einen guten Wert für e erhalten...





Teil 5: Die komplexe e-Funktion, Abschnitt 1: e-Funktion im Reellen

Teil 5: Die komplexe e-Funktion

Abschnitt 1: Exponentielles Wachstum und exponentieller Zerfall - die reelle e-Funktion

Leider hat uns die Corona-Pandemie vor Augen geführt, was exponentielles Anwachsen bedeutet. Am Anfang meint man, Wirkungen kaum zu spüren und lange Zeit sieht es so aus, als ändere sich nichts...
Und dann plötzlich geht es los...

Berühmt ist folgendes Beispiel:
Legt man auf das erste Feld eines Schachbrettes ein Reiskorn, und verdoppelt auf dem nächsten Feld immer  die Anzahl, dann kann man mit dem Reis, der auf den ersten 8 Feldern liegt, sich noch nicht einmal satt essen.
Aber die gesamte Weltreisproduktion reicht nicht, um alle 64 Felder des Schachbrettes zu füllen...


Wer sich etwas ausführlicher damit beschäftigen möchte, auch mathematisch, und auf Corona bezogen, dem sei dieses Video empfohlen:


Eine besondere Bedeutung hat die Funktion f(x) = exp (x) = eˣ.

Die Zahl e = 2,78...haben wir am 5.4. schon kennengelernt.

Irrationale Zahlen

Sie ist eine irrationale Zahl, als Basis einer Exponentialfunktion bewirkt sie, dass an jeder Stelle der Funktionswert so groß wie die Ableitung, also die Steigung, ist.

Entsprechend beschreibt exp(-x) einen exponentiellen Abfall.

Ich wiederhole das so ausführlich, weil wir im nächsten Post sehen werden, dass die komplexe e-Funktion wirklich total andere Eigenschaften hat!

Da wächst und fällt nichts mehr, da kreist es nur noch...

Um das nachvollziehen zu können, müsst ihr mir das Folgende noch abnehmen:

Darstellung der Funktionen durch eine Summe:

Alle in der Schule vorkommenden (d.-h. nicht bösartigen)  Funktionen kann man auch über eine sogenannte Reihenentwicklung ausrechnen, d.h. über eine Summe:

Sinus-Funktion:



Der erste Teil ist die abgekürzte Summenschreibweise, aber den zweiten Teil sollten alle verstehen:
Wenn ich den Sinus einer Zahl x (im Bogenmaß) berechnen will, muss ich abwechselnd alle ungeraden Exponenten dieser Zahl addieren. Dabei muss ich noch durch die Fakultät des Exponenten teilen. Die Fakultät ist ein Produkt und wird mit ! markiert:
3! bedeutet 1*2*3, 5! = 1*2*3*4*5 usw.

So etwas gibt es auch für die cosinus-Funktion:

Hier sind es die geraden Exponenten, die man nehmen muss.

Ein Taschenrechner kann übrigens nur addieren  und multiplizieren und er berechnet sin und cos über diese Summen. Man kann nach wenigen Summanden abbrechen und erhält ausreichend gute Werte.

Und nun das  Gleiche für die Exponentialfunktion:

Hier wird nur addiert...
Diese drei Reihen sehen ähnlich aus (das liegt daran, dass sie alles sog. Potenzreihen sind), aber ansonsten haben sie nichts miteinander zu tun...

Das wird sich ändern, wenn wir im nächsten Post die imaginäre Einheit i da rein schreiben...

Dann sind wir bei der sicher erstaunlichsten Form der Darstellung komplexer Zahlen, können seltsame Zusammenhänge erkunden und verstehen endlich, was ein Kreis ist...


Samstag, 18. April 2020

Wann geht es weiter?

Bestimmt am Sonntag, denke, da sind auch die Bildprobleme gelöst...aber ich will bis Sonntagmittag abwarten, damit ich nicht vergeblich was hochlade, was dann gleich weg ist...
Als nächstes kümmern wir uns um Kreise und die letzte Darstellung von komoplexen zahlen...

Achtung! Probleme mit Blogspot

...viele Bilder werden zur Zeit nach Neustart nicht hochgeladen,  seit 2 Stunden ist google am fixen, denke , das Problem ist bald gelöst...ansonsten lade ich am Sonntag die letzten Bilder neu hoch,
da das viel Arbeit macht, würde ich gerne warten....

Bitte am Sonntag Rückmeldung geben wo noch Bilder fehlen



Aktualisierung: Das Problem ist weltweit aufgetreten. Google muss alle Bilddatein restaurierenn...das dauert. Aber im Google Bildarchiv sind alle Bilder der Blogs in der hochgeladenen Reihenfolge  erhalten. Ich habe begonnen, die letzten Posts zu restaurieren.
So 10.00 Uhr: Bis einschl. 7.4.  müsste wieder vollständig sein (vom aktuiellen rückwärts, die früheren kommen später dran)..
Für den Rest warte ich noch ab. Zum Glück fehlen nicht alle Bilder. Wenn jemand drignend ein bestimtmes Bild braucht, bitte per Mial melden oder in discort...ich ersetze es dann gleich!